
Hier ist eine Tatsache, die wie eine Comic-Erfindung klingt: Die Garnele hat kein rotes Blut. Sie hatte nie welches. Ihr Blut läuft auf Kupfer, nicht auf Eisen — und wenn es Sauerstoff trägt, wird es blau.
Doch die Wahrheit ist leiser und interessanter als „blaues Blut“ — und sie erklärt zufällig etwas darüber, wie die Garnele auf dem Teller aussieht.
Lassen Sie es mich erklären.
Unser Blut ist aus einem Grund rot: Hämoglobin, das Protein, das den Sauerstoff durch unseren Körper trägt, ist um Eisen herum gebaut. Eisen, an Sauerstoff gebunden, ist rot. Alles Rote an unserem Blut lässt sich auf dieses eine Metall zurückführen.
Die Garnele hat einen völlig anderen Weg eingeschlagen. Statt Hämoglobin verwendet sie ein Protein namens Hämocyanin — und Hämocyanin ist um Kupfer herum gebaut, nicht um Eisen. Dieser eine Austausch verändert alles, auch die Farbe. Wenn Kupfer Sauerstoff bindet, wird es nicht rot. Es wird blau.
Also ja, technisch gesehen trägt eine mit Sauerstoff versorgte Garnele bläuliches Blut.
Aber hier liegt der Punkt, den die Comic-Version falsch macht. Hämocyanin ist keine leuchtend blaue Tinte. Trägt es Sauerstoff, nimmt es einen zarten Blauton an; wird der Sauerstoff abgegeben, wird es fast vollständig farblos. Das Blut der Garnele — korrekt Hämolymphe genannt — ist überhaupt nicht leuchtend blau. Es ist meist klar, mit dem allerleisesten Blaustich. Nicht dramatisch. Nur still und grundlegend anders als unseres.
Und hier verbindet es sich mit etwas, das man tatsächlich sehen kann.
Menschen erwarten von Meeresfrüchten manchmal, dass sie aussehen wie Fleisch — und Fleisch sieht vor allem deshalb so aus, wie es aussieht, weil Blut, Eisen und Hämoglobin das Fleisch rot färben. Eine Garnele hat davon nichts. Kein eisenreiches rotes Blut, das seine Spuren hinterlässt. Das ist ein großer Teil des Grundes, warum Kaltwassergarnelen so aussehen, wie sie aussehen: blass, sauber, zart rosa statt tiefrot.
Diese Blässe ist kein Zeichen für etwas Ausgewaschenes oder Fehlendes. Es ist das natürliche Erscheinungsbild eines Tieres, das von Anfang an nie um rotes Blut herum gebaut wurde. Wird die Garnele gegart, verliert das Hämocyanin selbst sein zartes Blau vollständig — weshalb Sie nie eine Spur von Blau auf dem Teller sehen und weshalb das Fleisch als sauberes Rosa erscheint und nicht als blutiges Rot.
Wenn also das nächste Mal eine Kaltwassergarnele fast zu blass, zu sauber wirkt, neben einem Stück rotem Fleisch — dann ist das kein Mangel an irgendetwas. Es ist Kupfer statt Eisen. Eine völlig andere Art, lebendig zu sein.
Die Garnele sieht nicht blutleer aus, weil ihr etwas entnommen wurde. Sie sieht so aus, weil sie von Anfang an nie rot war.